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Wir werden in diesem Skript weitgehend den Operatorformalismus der
Pfadintegralformulierung vorziehen. Dies ist umso mehr gerechtfertigt als
eine kovariante Quantisierung für die relativistische Feldtheorie nicht
mehr die großen Vorteile bringt, die sie im Vakuumfalle besitzt. Wir
kommen darauf am gegebenen Platze noch zurück. Beginnen wir jedoch
zunächst mit dem idealen nichtrelativistischen Gas.
Die Wirkung für die Einteilchenschrödingergleichung lautet bekanntlich
mit  |
(3.1) |
Hier und im folgenden benutzen wir die Abkürzung
im
Integral. Wie wir sehen werden, entfaltet diese Notation allerdings erst im
relativistischen Falle ihre volle abkürzende Wirkung.
Die Bewegungsgleichungen sind durch das Hamiltonsche Prinzip der
kleinsten Wirkung gegeben. Demnach haben wir die Felder so zu bestimmen,
daß die Wirkung minimal wird. Das Resultat sind die
Euler-Lagrangegleichungen
 |
(3.2) |
Die Variation bzgl.
führt auf die dazu konjugiert komplexe
Gleichung. Benutzen wir die Lagrangedichte aus (3.1) ist (3.2)
gerade die Schrödingergleichung für ein freies Teilchen:
 |
(3.3) |
Der Vorteil, die Schrödingergleichung wie eine klassische Feldgleichung
aus dem Wirkungsprinzip herzuleiten, liegt vor allem darin, daß wir die
Ausdrücke für die Erhaltungsgrößen wie Energie, Impuls, Drehimpuls und
Teilchenzahl aus dem Noethertheorem (vgl. dazu wieder [Hee98]).
Wir quantisieren nun diese Feldgleichungen ,,kanonisch''. Dazu gehen wir
als erstes zum Hamiltonformalismus über, indem wir die kanonischen
Feldimpulse einführen:
 |
(3.4) |
Die Hamiltondichte ist durch ihre Definition gegeben:
![$\displaystyle \Ham=\Pi \psi +\Pi^* \psi^* - \Lag = \frac{1}{2m} (\nabla \psi^*)...
...psi)=-\frac{\i}{2m} [(\nabla \Pi) (\nabla \psi)-(\nabla \Pi^*)(\nabla \psi^*)].$](img613.png) |
(3.5) |
Wir haben dabei Lagrange- und Hamiltondichte so gewählt, daß reelle
Ausdrücke entstehen. Es ist leicht zu sehen, daß auch das erweiterte
Hamiltonsche Prinzip, wonach die Wirkung
![$\displaystyle A[\psi,\Pi;\psi^*,\Pi^*]= \int \d^4 x [\Pi \dot{\psi}+\Pi^* \dot{\psi} - \Ham]$](img614.png) |
(3.6) |
unter unabhängigen Variationen nach den Feld- und
Feldimpulsfreiheitsgraden zu minimieren ist,
wieder auf die Schrödingergleichung und ihre konjugiert komplexe Gleichung
führt. Daß die vier Gleichungen in diesem Falle teilweise redundant sind,
liegt darin begründet, daß die Schrödingergleichung nur linear in der
Zeit ist und folglich die Lagrangedichte auch nur linear von der
Zeitableitung der Felder abhängt.
Die Lagrangedichte in (3.5) ist nun auch invariant unter
globalen Phasentransformationen
 |
(3.7) |
Aus dem Noethertheorem ergibt sich als dazugehörige Erhaltungsgröße die
Normierungskonstante
with  |
(3.8) |
Dies entspricht der Tatsache, daß die Zeitentwicklung des freien
Einteilchensystems unitär ist. Die zeitliche Konstanz von (3.8) für
Felder, die die Schrödingergleichung erfüllen, sollte der Leser als
kleine Übung explizit nachrechnen!
Kommen wir nun zur Feldquantisierung. Man kann zeigen, daß für Teilchen
in Konfigurationsräumen mit Dimension
Vielteilchensysteme aus
identischen Teilchen genau zwei Quantisierungsmöglichkeiten
bestehen, nämlich als Bosonen oder als Fermionen. Einen
recht anschaulichen Beweis im Rahmen der Pfadintegralquantisierungsmethode
findet sich in [LD70]. Im Rahmen der kanonischen Feldquantisierung
werden die Poissonklammern des Hamiltonformalismus für Felder im Falle von
Fermionen (Bosonen) einfach durch Antikommutator- bzw. Kommutatorregeln
ersetzt:
 |
(3.9) |
Hier und im folgenden stehen die oberen Vorzeichen stets für Fermionen,
die unteren für Bosonen. Man beachte, daß jetzt die fett gedruckten
Symbole Feldoperatoren im Heisenbergbild sind.
Wir wollen nun sehen, wie dieser Formalismus mit dem Teilchenbild
zusammenhängt. Um die Probleme mit kontinuierlichen Impulsvariablen zu
umgehen, denken wir uns in einem unendlich ausgedehnten ,,Wärmebad''
unseres Gases einen Würfel der Kantenlänge
abgegrenzt. Dies ist das
sog. Quantisierungsvolumen. Wir werden noch sehen, daß diese Idee
zu großen mathematischen Vorteilen führt. Wir werden an gegebener Stelle
zum sog. thermodynamischen Limes übergehen, also die Kantenlänge
in einem bestimmten, unten noch genau zu spezifizierenden Sinne im Limes
betrachten. Wir können den Würfel als das im vorigen
Abschnitt besprochene kleine Teilsystem des Gesamtwärmebads ansehen.
Da die Abgrenzung unseres Würfels lediglich eine gedachte Abteilung eines
endlichen Teilvolumens in unserem homogenen Wärmebad ist, können wir an das Feld
räumlich periodische Randbedingungen stellen, was die Rechnungen
weiter erheblich vereinfacht, denn dann sind die üblichen Impulsoperatoren
in der Ortsdarstellung selbstadjungiert, ohne daß wir komplizierte
selbstadjungierte Erweiterungen vorzunehmen haben, wie dies für
Randbedingungen einer ,,undurchlässigen Gefäßwand'' notwendig würde:
for  |
(3.10) |
Nun können wir den Feldoperator, der gemäß dem Heisenbergbild der freien
Schrödingergleichung mit periodischen Randbedingungen (3.10) genügt,
in seine Fouriermoden zerlegen:
 |
(3.11) |
Nun bestimmen wir die
aus den Bewegungsgleichungen des
Heisenbergbildes für die Feldoperatoren, wobei wir von den
Kommutatorrelationen (3.9) Gebrauch machen. Zunächst folgt aus
(3.11):
 |
(3.12) |
Es ist nun einfach, die benötigten Größen
und
mittels
der Operatoren
auszudrücken. Dazu müssen wir nur
(3.11) in (3.5) und (3.11) einsetzen, wobei wir sogleich
die sog. Normalordnungsvorschrift verwenden, die wir weiter unten
noch näher begründen werden. Diese besagt, daß in den Fällen, in denen
bei der ,,Übersetzung klassischer Ausdrücke'' in den
Operatorenformalismus der kanonischen Quantisierung
Operatorordnungsprobleme auftauchen, alle Operatoren
stets rechts von allen Operatoren
anzuordnen
sein werden. Damit finden wir für den Hamilton- und den Teilchenzahloperator
mit  |
(3.13) |
Um die physikalische Bedeutung der Operatoren
und
zu erhalten, lösen wir das Eigenwertproblem für die
. Als erstes bemerken wir, daß sie per definitionem
selbstadjungiert sind. Weiter zeigen wir, daß alle
miteinander
kommutieren, also kompatible Observablen beschreiben:
 |
(3.14) |
Dabe haben wir die Identitäten
and  |
(3.15) |
benutzt. Die
kommutieren also allesamt miteinander, und
folglich kann können die simultanen Eigenvektoren der Operatoren
als Basis für den Hilbertraum dienen.
Der besseren Übersicht halber behandeln wir nun Fermionen und Bosonen
zunächst getrennt. Beginnen wir mit dem Fall von Fermionen. In diesem Fall
ist die Lösung des Eigenwertproblems besonders einfach, denn
ist
hier ein Projektionsoperator:
 |
(3.16) |
wobei wir benutzt haben, daß gemäß (3.12) für Fermionen stets
. Wir nehmen nun an,
sei Eigenvektor
von
mit Eigenwert
. Dann folgt aus sofort (3.16)
sofort
und damit
oder
. Wir nehmen
nun an, daß die Eigenräume von
nicht entartet sind. Wie wir
unten sehen werden, ist diese Annahme dazu äquivalent, daß die Wirkung
der Feldoperatoren auf dem Hilbertraume irreduzibel ist.
Jetzt untersuchen wir die Wirkung der Operatoren
und
auf
. Die Kommutatoren mit
folgen
mit Hilfe von (3.15) aus (3.11):
 |
(3.17) |
Daraus ergibt sich
 |
(3.18) |
d.h.
ist entweder Eigenvektor von
zum
Eigenwert
oder 0
. Da die Eigenräume durch unsere obige
Annahme jeweils nicht entartet sind, folgt daraus bis auf eine Phase
 |
(3.19) |
denn
kann nicht von 0
verschieden sein, weil sonst
den Eigenwert
haben müßte, was jedoch wegen (3.16)
ausgeschlossen ist. Damit muß aber
sein, weil sonst
überhaupt der Nulloperator wäre, was aber nicht mit den
Antivertauschungsregeln der
und
verträglich
ist. Damit ist bis auf einen unerheblichen Phasenfaktor (3.19) bewiesen.
Daß die so definierten Beziehungen (3.19) korrekt normiert sind,
wenn wir voraussetzen, daß beide
normiert sind, folgt
sofort aus
 |
(3.20) |
Genau analoge Rechnungen führen auf
 |
(3.21) |
Kehren wir nun wieder zu unserer ausführlichen Schreibweise zurück, folgt
daraus, daß die
Vernichtungsoperatoren und die
Erzeugungsoperatoren sind.
Es ist nämlich klar, daß der gesamte Hilbertraum durch fortgesetzte
Anwendung der Operatoren
auf den
Vakuumzustand
aufgespannt wird, der dadurch definiert
ist, daß für alle
gilt
 |
(3.22) |
Der gesamte Hilbertraum wird durch die folgenden Zustände aufgespannt:
![$\displaystyle \ket{N(\vec{n})} = \prod_{\vec{n} \in \Z^3} [\op{a}^{\dagger}(\vec{n})]^{N(\vec{n})} \ket{\Omega},$](img656.png) |
(3.23) |
wobei die
alle möglichen Kombinationen von
durchlaufen, wo nur endlich viele
sind. Die Phasenwahl muß dabei noch durch eine beliebige feste
Standardanordnung der Operatoren
im Produkt
erfolgen. Die Zustände zu gleichen Tupeln
in (3.23)
unterscheiden sich nämlich höchstens durch ein Vorzeichen und sind nur
einmal zu nehmen, denn wir wollen ja ein VONS konstruieren. Es ist klar,
daß die Zustände (3.23) unter Vertauschung zweier beliebiger
das Vorzeichen wechseln. Dies zeigt, daß die
Antivertauschungsregeln beim kanonischen Quantisieren auf
Fermionen führen. Man kann nämlich (3.23) als
antisymmetrisiertes direktes Produkt von Einteilchenzuständen
ansehen. Man nennt diese Konstruktion auch den fermionischen
Fockraum. Das bedeutet daß diese Zustände den Fall beschreiben,
daß gerade
Teilchen mit jeweils einem
wohlbestimmten Impuls
vorliegen hat. Die
Antisymmetrie der Zustände verbietet dabei von selbst, daß mehr als
ein Teilchen einen Einteilchenzustand besetzt. Dies ist das sog.
Paulische Ausschließungsprinzip. Es ist aus den Kommutatorregeln
klar, daß die Anwendung von
auf (3.23) den
Zustand entweder annihiliert (wenn
) ist oder für
den Zustand ergibt, der genau ein Teilchen mit dem
Impuls
weniger enthält als
(3.23). Daher sind die
Vernichtungsoperatoren. Entsprechend verhält es sich mit
, wobei allerdings der Zustand (3.23)
gemäß (3.23) annihiliert wird, wenn
ist: Das
Paulische Ausschließungsprinzip verbietet es eben, daß dem System ein
Teilchen in einem Zustand, welcher bereits besetzt ist, hinzugefügt
werden kann!
Die gleiche Konstruktion ergibt sich für Bosonen, nur daß hier die
Erzeugungsoperatoren den bosonischen Fockraum aufspannen, der durch
die symmetrisierten Produkte aus Einteilchenoperatoren aufgespannt
wird:
with  |
(3.24) |
Dabei ist klar, daß auch hier wieder nur solche Produkte infrage kommen,
für die die Gesamtteilchenzahl
endlich ist.
Aus der Heisenbergschen Bewegungsgleichung
 |
(3.25) |
können wir nun
in (3.11) bestimmen. Auf der rechten
Seite setzen wir dazu
in der Form (3.11) ein und finden
unter Benutzung der Kommutator- bzw. Antikommutatorrelationen (3.12)
 |
(3.26) |
Drücken wir auch die linke Seite von Gl. (3.25) mittels der
Fourierreihe (3.11) aus, ergibt sich die Dispersionsrelation
des freien Schrödingerfeldes:
 |
(3.27) |
Daraus folgt auch, daß unser Ansatz mit zeitunabhängigen
Vernichtungsoperatoren in (3.11) im hier verwendeten
Heisenbergbild korrekt ist.
Jetzt wollen wir die makroskopischen Eigenschenschaften des Gases
wechselwirkungsfreier Teilchen im thermodynamischen Gleichgewicht
berechnen. Dazu benutzen wir das großkanonische Ensemble, welches
im Sinne des Jaynesschen Prinzips dadurch gegeben ist, daß als gegebene
Information der Erwartungswert der Energie
und
der Gesamtteilchenzahl
gegeben ist. Wegen
(1.154) folgt für den statistischen Operator
![$\displaystyle \op{R} = \exp [ - \Omega - \beta \op{H} - \alpha \op{N} ].$](img676.png) |
(3.28) |
Wie wir in Abschnitt 3.4 gezeigt haben, können wir die alle
thermodynamischen Größen aus der Zustandssumme bestimmen, die wir
unter Zuhilfenahme der Teilchenzahlbasis (3.23)
bzw. (3.24) bestimmen können. Für Fermionen und Bosonen gilt
zunächst gleichermaßen:
![$\displaystyle Z=\Tr \left[ \exp(-\beta \op{H} - \alpha \op{N}) \right] = \prod_...
...ft ( -\beta \frac{\vec{p}^2(\vec{n})}{2m} - \alpha \right) N(\vec{n}) \right ].$](img677.png) |
(3.29) |
Die Summe über
ist einfach zu bestimmen: Im Falle von
Fermionen, läuft jedes
lediglich über die Werte 0
und
. Diese Summe existiert also für Fermionen für beliebige Werte
von
und
. Für Bosonen hingegen handelt es
sich um eine geometrische Reihe, weil jedes
von 0
bis
läuft, so daß
sein muß. Wir werden später
sehen, daß dieser Unterschied zu gänzlich von Fermionen verschiedenem
Verhalten führt.
Nehmen wir an, daß für Bosonen das Konvergenzkriterium erfüllt ist,
erhalten wir für die Zustandssumme
![$\displaystyle Z=\prod_{\vec{n} \in \Z} \left [ 1 \pm \exp \left ( -\beta \frac{\vec{p}^2(\vec{n})}{2m} - \alpha \right) \right]^{\pm 1},$](img684.png) |
(3.30) |
wobei das obere Vorzeichen für Fermionen, das untere für Bosonen steht.
Die Massieufunktion ist einfacher zu diskutieren:
![$\displaystyle \Omega = \ln Z = \pm \sum_{\vec{n} \in \Z^3} \ln \left [1 \pm \exp \left ( -\beta \frac{\vec{p}^2(\vec{n})}{2m} - \alpha \right) \right].$](img685.png) |
(3.31) |
Zur Vollständigkeit der obigen Betrachtungen fügen wir noch
Spinfreiheitsgrade hinzu. Der einzige Unterschied zu der obigen Rechnung
ist, daß die Wellenfunktionen noch einen Spinorindex
tragen, der
für ein Teilchen mit Spin
die Werte
annimmt. Für Elektronen ist z.B.
. Bei
der Besprechung der relativistischen Theorie werden wir sehen, daß unter
sehr allgemeinen Annahmen Teilchen mit ganzzahliger Spinquantenzahl
zwingend Bosonen, solche mit halbzahligem
Fermionen sein müssen.
Es ist klar, daß wir in (3.31) lediglich noch zusätzlich über
summieren müssen. Für freie Teilchen, also ideale Gase,
multipliziert sich daher
lediglich um den ``Entartungsfaktor''
. Die vollständige Zustandssumme unter Berücksichtigung der
Spinfreiheitsgrade ist also
![$\displaystyle \Omega = \ln Z = \pm g \sum_{\vec{n} \in \Z^3} \ln \left [1 \pm \exp \left ( -\beta \frac{\vec{p}^2(\vec{n})}{2m} - \alpha \right) \right].$](img692.png) |
(3.32) |
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Hendrik van Hees
2010-03-31