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Der Begriff des Vektorraums

Ein Vektorraum ist ein geordnetes Paar, bestehend aus einer Menge $ V$ und einem Zahlenkörper $ \K$ , also $ (V,\K)$ . Im folgenden verstehen wir unter $ \K$ immer den Körper der reellen Zahlen $ \R$ .

Auf diesem Paar werden nun zwei Verknüpfungen definiert, und zwar einmal die Vektoraddition und zum anderen die Multiplikation eines Vektors mit einer Zahl aus $ \K$ , die sog. Skalarmultiplikation.

Diese Verknüpfungen sind im einzelnen wie folgt definiert: Die Vektoraddition bildet eine abelsche Gruppe, deren neutrales Element der Nullvektor ist, d.h. im einzelnen

(A1)
Die Vektoraddition ist eine Abbildung $ V \times V
\rightarrow V$ , die wie folgt notiert wird: $ \vec{a},\vec{b} \mapsto
\vec{a}+\vec{b}$ .

(A2)
Sind $ \vec{a}, \vec{b},\vec{c} \in V$ drei beliebige Vektoren gilt stets das Assoziativgesetz: $ (\vec{a}+\vec{b})+\vec{c}=\vec{a}+(\vec{b}+\vec{c})$ .

A(3)
Es existiert ein neutrales Element der Addition $ 0 \in
V$ , so daß für alle $ \vec{a} \in V$ gilt: $ \vec{a}+0=\vec{a}$ .

A(4)
Zu jedem Vektor $ \vec{a} \in V$ existiert ein inverses Element $ -\vec{a} \in V$ bzgl. der Addition, so daß $ \vec{a}+(-\vec{a}):=\vec{a}-\vec{a}=0$ gilt.

A(5)
Es gilt das Kommutativgesetz, d.h. für $ \vec{a},\vec{b} \in V$ gilt stets $ \vec{a}+\vec{b}=\vec{b}+\vec{a}$ .

Die Skalarmultiplikation erfüllt folgende Axiome:

M(1)
$ \lambda \in \K, \, \vec{a} \in V \mapsto \lambda \vec{a} \in
V$
M(2)
Für $ \vec{a},\vec{b} \in V$ und $ \lambda \in \K$ gilt $ \lambda
(\vec{a}+\vec{b})=\lambda \vec{a} + \lambda \vec{b}$ .

M(3)
Für $ \lambda,\mu \in \K$ und $ \vec{a} \in V$ gilt $ (\lambda+\mu) \vec{a}=\lambda \vec{a} + \mu \vec{a}$ .

M(4)
Für alle $ \vec{a} \in V$ gilt $ 0 \vec{a}=0$ 1.1.

Der wichtigste Begriff, den man mit diesem System von mathematischen Objekten konstruieren kann, ist der Begriff der Basis. Dazu definieren wir zunächst eine Menge von Vektoren $ \{ \vec{a}_j \}_{j=1}^{n}$ als linear unabhängig, wenn die folgende Äquivalenz gilt:

$\displaystyle \sum_{j=1}^{n} \lambda^j \vec{a}_j=0 \Leftrightarrow \lambda^j=0$    für alle $\displaystyle j \in \{1,\ldots,n \}.$ (1.1)

Dabei sind die $ \lambda^j$ selbstverständlich Zahlen aus dem Skalarenkörper $ \K$ 1.2.

Wir bezeichnen weiter eine Menge von Vektoren $ \{ \vec{b}_j
\}_{j=1}^{n}$ als Erzeugendensystem, wenn zu jedem Vektor $ \vec{x}$ Zahlen $ x^j \in \K$ existieren, so daß

$\displaystyle \vec{x}=\sum_{j=1}^{n} x^j \vec{b}_j.$ (1.2)

Eine Basis ist nun ein Erzeugendensystem aus linear unabhängigen Vektoren. Der Leser sollte sich klar machen, daß dann die Zahlen $ x^j$ , die Komponenten des Vektors $ \vec{x}$ bzgl. der Basis $ \{\vec{b}_j \}_{j=1}^d$ durch die Wahl der Basis eindeutig bestimmt sind.

Ein Vektorraum, für den eine solche endliche natürliche Zahl $ d$ existiert, heißt endlichdimensionaler Vektorraum. Wir gehen in diesem Skript stets davon aus, daß der Vektorraum endlichdimensional ist. Seine Dimension bezeichnen wir mit $ d$ .

Im folgenden verwenden wir die Einsteinsche Summationskonvention, falls wir es nicht anders vereinbaren: Immer wenn ein gleichnamiger Index in einer Formel auftaucht, wobei einer als oberer Index und einer als unterer Index notiert ist, ist über diesen Index von $ 1$ bis $ d$ zu summieren, ohne daß wir die Summe explizit anschreiben, d.h. wir können Gleichung (1.2) kurz auch in der Gestalt

$\displaystyle \vec{x} = x^j \vec{b}_j$ (1.3)

schreiben.




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